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Kein Geld – keine Wohnung – keine Perspektive
Aktionstag lenkt die Aufmerksamkeit auf die Armut von Frauen in der Fächerstadt und ihre Probleme

Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Etzold
Leben in Armut – das ist mehr als chronischer Geldmangel. Es bedeutet, in schlechten Verhältnissen zu wohnen, im schlimmsten Fall obdachlos zu sein. Es greift die Gesundheit an, fordert dauerhaft Verzicht auf Urlaub und Freizeitaktivitäten, die Geld kosten. Es macht mutlos bei Job- und Wohnungssuche, und im Bekanntenkreis ist man schnell außen vor. Frauen trifft Armut statistisch gesehen häufiger als Männer. Der Karlsruher Verein Sozialpädagogische Alternativen (Sozpädal) informierte gestern am Marktplatz anlässlich der landesweiten Aktionswoche „Armut bedroht alle“ der Liga der freien Wohlfahrtspflege über Armut von Frauen in Karlsruhe.

Aktionstag - Armut von Frauen in Karlsruhe
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Die Ansprechpartner bei Sozpädal kennen viele persönliche Schicksale. „Meine Eltern haben mich rausgeworfen, weil sie mich nicht verstehen“, hat ihnen eine junge Frau erzählt. Als Zitat steht der Satz nun auf einer wandelnden „Litfasssäule“. Claudia Spieß, Beraterin für Frauen und Paare in Wohnungsnot bei Sozpädal, sagt seufzend: „Die unter 25-Jährigen sind seit Jahren unsere Hauptproblemgruppe.“ Der Großteil dieser Betroffenen schlage sich lange irgendwie durch. Doch der Preis dafür ist hoch: keine Konstanz, keine Perspektive, und das in einem Lebensalter, in dem wichtige Weichen gestellt werden.

Die Karlsruher Sozialarbeiterin Lissi Hohnerlein, bei Sozpädal Leiterin des Bereichs Frauen, ist auch als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mit diesem Thema vertraut. „Wir kritisieren, wie selten Frauen Unterstützung gewährt wird, die den Hauptschulabschluss nachholen wollen“, sagt sie. Überhaupt würden bedürftigen jungen Frauen zu viele Steine in den Weg gelegt bei der Bewältigung der stets vielfältigen Probleme. „Da verfestigt sich oft eine Resignation“, beobachtet Hohnerlein. „Wir versuchen dann, sie aufzubrechen, was in unserem Tagestreff auch oft gelingt.“

Nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch zu geringe Einkommen lassen Frauen in die Armut stürzen. Fast 60 Prozent aller ausschließlich geringfügig beschäftigten „Mini-Jobber“ in Karlsruhe sind weiblich, ermittelte das Amt für Stadtentwicklung.
Die Sozial- und Jugendbehörde brachte vom Jahresbeginn bis Ende August 105 obdachlose Frauen unter, davon 36, die noch keine 25 Jahre alt waren, und 18 allein erziehende Mütter. Der Abstieg in die Mittellosigkeit und gegebenenfalls die Obdachlosigkeit erwischt aber auch immer mehr Frauen im Rentenalter. „Wir hatten in diesem Jahr schon 70 Frauen in diesem Alter, die kein Unterkommen hatten“, so Claudia Spieß.

Eine Frau ohne Zuhause ist weit stärker von Gewalt bedroht als Männer und in der Regel „ganz unten angekommen“, berichtet Lissi Hohnerlein. Solche Schicksale könnten künftig noch häufiger eintreten, fürchtet sie: „Es gibt immer mehr Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet haben und trotzdem nur eine minimale Rente bekommen. Mit der wachsenden Zahl von Elitestudenten in der Boom-Stadt Karlsruhe als Konkurrenz gehen diese Frauen auf dem Wohnungsmarkt unter.“

BNN, 14.10.2011

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