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Praxisgebühr schreckt viele ab

Karlsruher Rotary-Clubs und Rotaract Club unterstützen obdachlose Menschen
Hier wird jeder Patient auf Hals und Ohren geprüft: Mit einer modernen Behandlungseinheit für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und dazugehörigen medizinischen Instrumenten erspüren die behandelnden Mediziner Krankheitserreger. Die nagelneue medizinische Ausstattung befindet sich in einem Behandlungszimmer in der Tagesstätte „Die Tür“ des Diakonischen Werks und dient der medizinischen Versorgung von Obdachlosen.

Möglich machte den Einsatz der dringend benötigten Instrumente das soziale Engagement der fünf Karlsruher Rotary-Clubs und des Karlsruher Rotaract Clubs. Bei einem Benefizkonzert mit dem Peter Lehel Quartett und dem Jungen Kammerchor Baden-Württemberg im September waren dafür 20 000 Euro Spenden erzielt worden. Mit diesem Geld wurden Behandlungszimmer im Tagestreff „Die Tür“, im Tagestreff für Frauen „Taff“ des Vereins Sozpädal sowie in der Sozialpension „Anker“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) eingerichtet. Das Zimmer im Obdachlosentreff in der Kriegsstraße wurde zudem durch Materialspenden der medizintechnischen Firmen Storz, Aesculap und Happersberger ermöglicht. Am Samstag wurde das neue Arztzimmer offiziell vorgestellt. Innerhalb eines „Tages der Begegnung“ erhielten Hilfesuchende auch praktische Alltagshilfe. Ein Frisör war dazu ebenso vor Ort wie ein Fußpfleger. Mitglieder des Rotaract-Clubs verteilten extra für diesen Anlass gesammelte Kleider und Pflegeprodukte wie Duschgel oder Zahnpasta.

Ein Schwerpunkt des Behandlungszimmers liege auf Erkrankungen der Atemwege, betonte Norbert Holstein, HNO-Arzt und Past-Präsident des Rotary Clubs Fächerstadt. „Gerade bei den Obdachlosen sind Erkrankungen im Rachenbereich besonders häufig“, weiß Holstein. So seien wohnungslose Menschen fast täglich der Witterung ausgesetzt, das Leben mancher sei auch durch Nikotin und Alkohol geprägt. Auch Gabriele Wiedenmann-Calmbach kennt diese Probleme. Seit 15 Jahren behandelt die Ärztin gemeinsam mit ihrem Kollegen Leon D’Orsi ehrenamtlich Obdachlose im Behandlungszimmer in „Die Tür“. Bisher mussten die beiden Mediziner Patienten zu einer genaueren Untersuchung noch in die Praxis bestellen, nun sei dies vor Ort möglich. Das sei gut so, denn bei der Behandlung von Menschen in einer sozialen Schieflage müssten sehr spezielle Maßstäbe angesetzt werden. „Die Leute gehen normalerweise nicht zum Arzt. Die Praxisgebühr von zehn Euro schreckt viele ab“, so Wiedenmann-Calmbach. Migranten seien oft auch nicht krankenversichert und könnten deshalb keine normale Arztpraxis aufsuchen. Ein unbürokratischer medizinischer Check im Tagestreff sei meist die einzige Möglichkeit, diesen Menschen zumindest eine medizinische Grundversorgung zukommen zu lassen.

Sehr erfreut über die Modernisierung zeigte sich auch Uwe Enderle, Leiter von „Die Tür“, der sich seit Jahren um die Verbesserung der niederschwelligen ärztlichen Versorgung bemüht. Mit den neuen Gerätschaften sei ein „wichtiger Schritt“ in die richtige Richtung getan

BNN 19.03.2012

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