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„Soziallandschaft wird ineffizienter“
Paritätischer Wohlfahrtsverband kritisiert neunprozentige Kürzungen für alle Träger

Einsparungen bei Honorarkräften

Von unserem Mitarbeiter Ekart Kinkel

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert von der Stadtverwaltung mehr Transparenz bei den angekündigten Kürzungen im Sozialbereich. „Die einzelnen Träger brauchen Planungssicherheit“, betont Rüdiger Frank vom Karlsruher Kreisvorstand des Paritätischen, denn im Gegensatz zu anderen großen Wohlfahrtsverbänden wie Diakonie oder Caritas gebe es beim Paritätischen nämlich eigenständige Mitgliedsorganisationen und deshalb sei zur Erhaltung bestimmter Angebote keine Querfinanzierung möglich, so Frank.
Bislang sei vom Gemeinderat am 26. April aber lediglich beschlossen worden, dass die Zuschüsse für den Paritätischen ab dem Jahr 2017 um knapp 290 000 Euro auf rund 3,4 Millionen Euro gesenkt werden. „Diese Kürzungen können nicht nach dem Gießkannenprinzip vorgenommen werden“, mahnt Frank, „denn vor allem kleinere Einrichtungen bekommen sonst massive Probleme“. Die Stadtverwaltung müsse deshalb klar und deutlich sagen, welche Angebote im Sozialbereich sie in Karlsruhe weiter haben will und welche eben nicht, appelliert Franks Vorstandskollege Gregor Kieser vom Verein für Jugendhilfe. Nur wenn die Stadt selbst die Schwerpunkte setzt, könnten die Träger ihr Angebot auch künftig bedarfsgerecht gestalten. Bei Peter Kohm, Geschäftsführer der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe, stoßen die Kürzungen auf komplettes Unverständnis. „Die freiwilligen Leistungen sind kein Sahnehäubchen auf der Kirschtorte“, betont er, „sie folgen seit vielen Jahren einer sozialpolitischen Notwendigkeit und ohne diese Leistungen wird die Karlsruher Soziallandschaft ärmer und vor allem ineffizienter“.

Auch für die Mitarbeiter einiger Mitgliedsorganisationen des Paritätischen haben die neunprozentigen Kürzungen direkte Auswirkungen. Erste Vereine wie die Aids-Hilfe Karlsruhe oder Wildwasser und Frauennotruf haben bereits angekündigt, die Kürzungen durch Einsparungen bei Honorarkräften und Teilzeitbeschäftigten aufzufangen. „Es kann eigentlich nicht sein, dass es in der Stadtverwaltung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll, diese im Sozialbereich aber in Kauf genommen“, kritisiert GfK-Stadtrat Friedemann Kalmbach von der freikirchlichen Nehemia Initiative Karlsruhe. Die fehlenden Gelder über Spenden einzutreiben, sei für die meisten Träger ein Ding der Unmöglichkeit, weiß Helga Göttle vom Arbeitskreis Leben Karlsruhe. „In den vergangenen 25 Jahren hatte ich noch nie so große Sorgen, ob wir unser Präventionsangebot zur Beratung von selbstmordgefährdeten Menschen weiter führen können“, so Göttle. Auch beim Verein Sozpädal wird es ohne ein Umdenken vonseiten der Stadt künftig einige Angebote wie den Mittagstisch für alleinerziehende Frauen und Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen nicht mehr geben, betont Jörg Mauter von Sozpädal. „Dass gerade diese Personengruppe durch die Kürzungen ausgegrenzt wird, ist dreist.“ Geschäftsführerin Ulrike Sinner vom Paritätischen Karlsruhe hält die flächendeckenden und trägerübergreifenden Kürzungen ebenso für das falsche Signal: „Wir haben es jeden Tag mit Menschen vom Rand der Gesellschaft zu tun und ohne unsere Arbeit wird dieser soziale Kitt schnell brüchig.“

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | 06.07.2016

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