© Peter Empl

BITTE SPENDEN SIE! BITTE HIER!

„Wir legen die Ressourcen der Frauen frei“
Seit 15 Jahren hilft der „TafF“ seinen Besucherinnen beim Weg zurück ins geordnete Leben

„Armut bedroht Alle“ heißt das Motto der diesjährigen landesweiten Aktionswoche gegen die Armut, die bis 23. Oktober stattfindet. In Zusammenarbeit mit der Liga der freien Wohlfahrtspflege stellen die BNN in dieser Woche jeden Erscheinungstag ein konkretes Projekt der in der Liga zusammengeschlossenen Wohlfahrtsverbände vor.

Warum werden Menschen obdachlos? Aus unterschiedlichsten Gründen, die von außen nicht immer leicht zu durchschauen sind, sagt Lissi Hohnerlein, Bereichsleiterin bei Sozpädal. „In unseren Tagestreff für Frauen (TafF) kommen Besucherinnen, die in der Krise stecken, sei es durch Krankheit, Trennung, Schulden oder Sucht. Zudem haben sie meist Gewalt erlebt.“ Viele Frauen sind voller Ängste, haben das Vertrauen ins System verloren. Zum Amt gehen und dort sein ganzes Leben zu durchleuchten fällt ihnen dann sehr schwer. Manche besitzen null Bildung, andere haben einen Uniabschluss – die Obdachlosigkeit sieht man keiner von ihnen an.

Ein Blick in die Cafeteria zeigt gepflegte, lächelnde Frauen, die sich unterhalten. „Sie wollen nicht auffallen, legen Wert auf ihr Äußeres“, sagt Lissi Hohnerlein. „Ich kann Ihnen aber eine Handvoll Frauen zeigen, die wie ganz normale Bürgerinnen durch Karlsruhe laufen und sich dennoch gerade eine versteckte Parkbank zum Schlafen suchen.“ Im Tagestreff wird Kontakt zu den obdachlosen Frauen aufgebaut, um zu sehen, was hinter ihrem sozialen Absturz steckt und entsprechend zu helfen. Hier können sie duschen, essen, günstig Kleidung kaufen und das Internet benutzen. Kletterparkexkursionen oder Selbstbehauptungskurse sollen ihnen neuen Mut machen. „Wir legen die verschütteten Ressourcen der Frauen frei. Viele behaupten anfangs, sie können nichts. Aber das stimmt dann natürlich nie. Wir wollen sie für die Welt da draußen stärken“, sagt die Einrichtungsleiterin. Sozpädal vermittelt auch bezahlbaren Wohnraum. „Wir schauen, ob die Frauen alleine wohnen können, ob sie ihre Affekte unter Kontrolle haben oder ob sie womöglich Messies sind. Daraus ergibt sich dann auch die Lage der Wohnung – eine Frau, der durch Armut viele Zähne fehlen, hätte etwa in einem bürgerlichen Haus Schwierigkeiten.“ 200 Wohnungen für 300 Mieter stellt der Verein Sozpädal derzeit bereit. Neben den eigenen vier Wänden brauchen die Frauen auch eine Tagesstruktur, darum vermitteln die Sozialarbeiter auf Wunsch auch Arbeitsprojekte: Putzdienst, Einkauf, Handarbeiten, Kochen, die hauseigene Kleiderkammer verwalten. „Eine unserer Frauen hat gerade eine feste Stelle in einer großen Karlsruher Kultureinrichtung bekommen. Das freut uns natürlich sehr! Die meisten vermitteln wir aber eher in den zweiten, staatlich geförderten Arbeitsmarkt.“

Rund 50 Besucherinnen im Alter von 30 bis 80 Jahren kommen jeden Tag in den TafF, darunter auch viele Alleinerziehende. Für die Kleinsten gibt es eine Spielecke. „Dennoch brauchen diese Kinder eine Vollzeitbetreuung, auch wenn die Mutter arbeitslos ist – sonst verbringen sie ja den ganzen Tag in einem Treff für Obdachlose“, erklärt Hohnerlein.

Den obdachlosen Frauen sei es wichtig, hier eine Art Homebase zu haben, und das Gefühl, akzeptiert zu werden. Einen Fernseher braucht hier keine. „Wir hatten einen, aber der wurde nie benutzt. Im Männertreff läuft den ganzen Tag die Kiste, aber die Frauen reden lieber miteinander – sie sind ja ohnehin schon so viel allein“, erklärt Lissi Hohnerlein. Neben Einsamkeit ist auch Krankheit für viele Besucherinnen ein Thema. Oft haben sie jahrelang Raubbau an ihrem Körper betrieben, leiden an Krebs- oder Atemwegserkrankungen. Alle zwei Wochen kümmert sich Ärztin Ingrid Praßler ehrenamtlich um sie. Wenn es gut läuft, bilden sich im TafF Notgemeinschaften, sogar Freundschaften; man kümmert sich umeinander. Fast alle haben das Ziel, irgendwann wieder eine Brücke nach draußen zu bauen.

Deshalb veranstalten die TafF-Frauen am Freitag, 21. Oktober, einen Basar, für den sie Kuchen backen und Kleider zum Verkauf anbieten. „Jeder Karlsruher ist herzlich dazu eingeladen“, sagt TafF-Leiterin Lissi Hohnerlein. „Wir wollen zeigen, dass die Frauen hier etwas dafür tun, um aus ihrer Situation herauszukommen.“

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | Nina Setzler | 19.10.2016

Sozpädal im Medienecho 2016

zur Übersicht

Schnellzugriff


DIE KLEIDERKAMMER ist eines der Arbeitsprojekte des „Tagestreffs für Frauen“, um den Besucherinnen eine gewisse Struktur zu geben. Foto: Peter Empl

Seitenanfang - Kontakt - Links - Impressum - Datenschutz - UNTERSTÜTZEN SIE UNS MIT IHREN SPENDEN! - © SOZPÄDAL E.V.