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Der größte Wunsch geht in Erfüllung
Weihnachten mit Kindern in der Notherberge – aber eigene vier Wände in Aussicht

Zwei kleine Kinder, aber keine eigenen vier Wände: Seit fast einem Jahr hangelt sich Katharina D. mit ihrem dreijährigen Sohn und dem 17 Monate alten Töchterchen in Karlsruhe ohne Zuhause durch. Ein Dach über dem Kopf immerhin bietet die städtische Herberge in einem ehemaligen Hotel. Ein Raum als Schlaf-, Wohn-, Ess- und Spielzimmer – darin wird das weitgehend auf sich allein gestellte Trio auch Weihnachten verbringen. Es ist nicht die einzige kleine, zersplitterte Familie, die dieses Los trifft. Wer sich in der Fächerstadt beruflich oder ehrenamtlich um obdachlose Menschen kümmert, kennt viele solcher Schicksale. Maria ohne Josef, mit Wickelkind oder ohne, oft auch Josef ohne Familie: Gemäß biblischer Kunde 2 016 Jahre nach der Geburt des Herrn im Stall suchen im friedlichen, wohlhabenden, aber von Wohnungsknappheit geprägten Karlsruhe immer noch und immer wieder Menschen verzweifelt eine Herberge. (Siehe auch „Einige bleiben außen vor“.)

Oft einsam, bewältigt die junge Karlsruherin ihren schwierigen Alltag. In der Gemeinschaftsküche in einem anderen Stockwerk zu kochen etwa ist kein Kinderspiel. „Ich muss mächtig aufpassen, dass meine Kleinen nicht die Schränke ausräumen“, erklärt die 20 Jahre alte, schlanke Dunkelhaarige. Und trotz Wäschedienst erfordert es gute Planung, um ohne eigene Waschmaschine mit der Kleidung für alle gut über die Runden zu kommen. Die Mama selbst bevorzugt geschickt gewählte, aber praktische Kleidung, etwa einen Kapuzenpulli. Darüber trägt sie in diesen kalten Tagen einen wattierten Wintermantel. Im Kinderwagen wärmt eine rote Plüschdecke mit weißen Punkten das schlafende kleine Mädchen zusätzlich. Sportlich bugsiert Katharina D. den Wagen Dutzende Altbaustufen abwärts. „Das lernt man, wenn man alles selbst schaffen muss“, sagt sie. Zum Glück unterstützten die Eltern, so gut es geht. „ Sie haben selbst wenig Platz, aber ich besuche sie oft. Dort bin ich nicht so allein. Meine Mutter hilft mir auch aus, wenn mir das Geld vor dem Monatsende ausgeht.“

Dass die Wohnungssuche die härteste zu knackende Nuss wird, war der jungen Frau klar, als sie im Januar aus München in ihre Heimatstadt zurückkehrte, nachdem sie sich von ihrem damaligen Partner im Stich gelassen sah. Ein Zufall machte ihr Mut. Im Jobcenter wies man die junge Frau auf den Verein Sozialpädagogische Alternativen (Sozpädal) hin, der bei Wohnungslosigkeit hilft. Als Katharina D. zum Termin in die Scheffelstraße kam, war sie überrascht: „In dem Haus habe ich in meiner Kindheit gewohnt.“ Inzwischen empfindet die junge Mutter ihre Ansprechpartnerin bei Sozpädal und eine Familienhelferin als große Unterstützung. „Ich habe mir angewöhnt, alles möglichst schnell zu erledigen. Ich muss viele Papierdinge erledigen, das türmt sich sonst zu einem Berg“, erzählt Katharina D. „Und ich habe nie die Hoffnung aufgegeben.“

Tatsächlich geht der sehnlichste Wunsch der jungen Obdachlosen in diesen Tagen in Erfüllung. Denn wenn Katharina D. heute an Heiligabend beim Gottesdienst vielen Bekannten begegnet, worauf sie sich sehr freut, kann sie vom bevorstehenden Einzug in ihre erste eigene Wohnung erzählen. Zwei Zimmer, Küche, Bad in der östlichen City: Dank Sozpädal ist der Mietvertrag unterschrieben, seit Mitte Dezember hat die 20-Jährige bereits den Schlüssel. Noch kann die kleine Familie nicht einziehen in die leeren Räume. Für Betten, Küche, Bad, Wohnzimmermöbel und weitere Erstausstattung muss das Sozialamt erst Geld bewilligen. Geduldig sieht Katharina D. der lang ersehnten Erfüllung ihres größten Wunsches entgegen. Und allein fühlen werde sie sich im neuen Zuhause auch nicht: Eine Cousine wohne „direkt um die Ecke“.

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | Kirsten Etzold | 24.12.2016

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