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Notdienste helfen über den Jahreswechsel
Rund 700 Karlsruher sind wohnungslos – im Rathaus West und in Tagestreffs bekommen sie Hilfe

Kirsten Etzold - BNN 02.01.2021

Das Leben ist schwierig, wenn man mit sehr wenig Geld auskommen muss. Noch schlimmer ist dran, wer nicht einmal ein Bankkonto hat. Neujahr und anschließend Wochenende: Das Jahr 2021 beginnt mit drei Tagen, an denen Menschen in prekärer Lage noch mehr Wege verschlossen sind als sonst. In Karlsruhe sorgen Notdienst-Teams immerhin vor. 20 bis 30 bedürftige Frauen und Männer kommen regelmäßig, spätestens zum Monatswechsel, ins Rathaus West am Mühlburger Tor. Manche, aber nicht alle, haben mithilfe der Sozialbehörde ein Dach über dem Kopf. Einige warten bereits vor dem großen historischen Eckgebäude, wenn es um 8.30 Uhr für drei Stunden für sie öffnet.

Etwa zehn Geldkarten pro Tag programmiert das Team im Erdgeschoss des Rathauses. Nicht Scheine und Münzen gehen von Hand zu Hand, sondern Geldkarten. Die passen in einen Automaten, der innerhalb eines Zeitfensters die angewiesene Summe Bargeld auswirft. Dann schluckt der Apparat die Karte als Beleg. Längst nicht jeder mittellose Mensch kann bei der Sozialbehörde nahe der Christuskirche Geld abholen. EU-Migranten zum Beispiel oder Wohnungslose, die neu in Karlsruhe sind, gesteht das Gesetz erstmal keine Hilfe zu. Sie können aber zu Uwe Enderle von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Karlsruhe im Tagestreff „Tür“ kommen, wo täglich 50 Männer und einige Frauen nacheinander erscheinen, oder im Tagestreff „Taff“ für Frauen zu Lissi Hohnerlein vom Verein „Sozialpädagogische Alternativen“ (Sozpädal).

Umgekehrt steuern nur wenige Menschen in der Stadt, die wohnungslos und bettelarm sind, den Geldautomaten im Rathaus West an. Die weit überwiegende Mehrheit erhält Zahlungen per Überweisung. „In Karlsruhe haben wir zur Zeit rund 600 wohnungslose Menschen“, sagt Hohnerlein. Allerdings gebe es zusätzlich Post-Abholer – ein Indiz dafür, dass jemand bei wechselnden Bekannten unterschlüpft oder wohnt, wo man sich nicht offiziell anmelden kann oder es nicht mal einen Briefkasten gibt. „Diese verdeckte Wohnungslosigkeit wird auf mindestens 20 Prozent geschätzt“, sagt die Tagestreff-Leiterin. Damit wächst der Kreis der Karlsruher, die ohne eigenes Zuhause ins Jahr 2021 gestartet sind, auf mehr als 700.

Auch Familien sind dabei. „Wir vom Tagestreff für Frauen haben in der letzten Dezemberwoche zwölf Mütter mit Essen und Gutscheinen ausgestattet, die mit ihren Kindern in einem Hotelzimmer oder einer Pension wohnen, wo es keine Küche gibt“, sagt Lissi Hohnerlein. Insgesamt versorgte die Einrichtung für die Durststrecke über Neujahr rund 70 Besucherinnen. Auf der Straße leben sechs der Frauen, die Hohnerlein regelmäßig sieht. Zwei von ihnen erhalten ihr zufolge im Rathaus West ihren Tagessatz.

In der Regel gibt es pro Tag 14,40 Euro, ein Dreißigstel der Monatssumme von 432 Euro, erklärt Mauricette Smitran die Amtsformel. Stehen Wochenende und Feiertage bevor, wird entsprechend multipliziert. Wer am Dienstag kam, erhielt auch schon die Tagessätze für Mittwoch bis Sonntag. Das muss bis zum Morgen des 4. Januar reichen. Mauricette Smitran und ihr Notdienst-Team der Abteilung Soziales und Teilhabe (SoTei) im Rathaus West werden zwischen Weihnachten und Neujahr sowohl für die ärmsten Menschen in Karlsruhe als auch bei akuten Notfällen wie dem Wohnungsbrand am letzten Sonntag im Dezember in der Untermühlsiedlung aktiv.

Service

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