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Trotz Eiseskälte schlafen manche lieber auf der Straße
Corona stellt Obdachloseneinrichtungen vor zusätzliche Herausforderungen / Getrennte Übernachtungsangebote für Männer und Frauen

Tina Mayer - BNN 13.02.2021

Ein Bett, eine Dusche, ein heißer Tee: Diese Dinge sind bei den derzeit eisigen Temperaturen für obdachlose Menschen wichtiger denn je. Hilfe bietet die Stadt Karlsruhe mit dem Erfrierungsschutz für Männer in der Kriegsstraße 88. Ein solches Angebot für Frauen findet sich im Hotel Anker in der Lameystraße.

Abweisen mussten wir noch niemanden
Uwe Schlindwein
leitet den Erfrierungsschutz für Männer

„Corona stellt uns momentan vor zusätzliche Herausforderungen“, erklärt Uwe Schlindwein, der den Erfrierungsschutz für Männer leitet. So gilt natürlich auch in der Kriegsstraße 88: Abstand halten und Maske tragen. Dazu sagt Schlindwein: „99 Prozent der Männer verhalten sich hier vorbildlich und halten sich an die Regeln.“ Von 19.30 Uhr bis 8Uhr morgens finden momentan rund 40 Männer Unterschlupf – und diese Plätze reichen aus.

„Abweisen mussten wir noch niemanden“, sagt Schlindwein. Durch Corona seien die Zimmer aber nicht so belegt wie in normalen Zeiten. So schlafen in den Acht- und Sechsbettzimmern derzeit nur drei bis fünf Männer.

Tagsüber können sich die männlichen Besucher im gleichen Gebäude im Tagestreff „Tür“ der Diakonie aufwärmen. Da es immer wieder auch zu Konflikten kommen kann, nutzt dieses Angebot jedoch nicht jeder gern. „Der Lockdown ist für unsere Leute natürlich problematisch“, so Schlindwein. Viele nutzten in normalen Zeiten Einkaufszentren wie das ECE oder den Scheck-in als Ausweichfläche, um sich aufzuwärmen – das sei in einer Pandemie natürlich schwierig. Auch das Angebot der Vesperkirche fällt mittlerweile weg. Hier bekamen Bedürftige noch bis Anfang Februar eine warme Mahlzeit.

Den Erfrierungsschutz für Frauen im AWO Hotel Anker leitet Uwe Lampert. Insgesamt gibt es dort neun Plätze, momentan ist jedoch nur ungefähr die Hälfte belegt. Im Notfall fungiert das Büro als Quarantänezimmer. Komme eine Frau mit Corona-Symptomen, könne sie dort bis zum nächsten Morgen isoliert werden. Laut Lampert kommen zum Erfrierungsschutz auch Frauen, die zwar nicht wohnungslos sind, sich im Anker in der Nacht aber trotzdem sicherer fühlen. Viele von ihnen hätten außerdem eine psychische Erkrankung.

Manche Frau hat laut Lampert auch kein gutes Gefühl dabei, dicht an dicht in einem Schlafsaal mit Fremden zu nächtigen. „Sobald es milder wird, schlafen einige lieber draußen im Schafsack“, sagt Lampert. Corona komme da noch erschwerend hinzu. Tagsüber finden die Frauen Unterschlupf im Tagestreff für Frauen (TafF) des Vereins Sozpädal. Unter den geltenden Hygiene-Bedingungen können sich dort maximal 13 Frauen gleichzeitig aufhalten. „Da bevorzugen wir natürlich diejenigen, die tatsächlich obdachlos sind“, erklärt die stellvertretende Leiterin Claudia Spieß. Die Frauen bekommen hier etwas zu essen, sie können duschen, ihre Wäsche waschen und den Computer nutzen.

„Nicht alle nehmen die Hilfsangebote auch an“, erklärt unterdessen Anita Beneta vom Diakonischen Werk. „Und das müssen wir akzeptieren.“ Nicht jeder Obdachlose wolle seine Freiheit aufgeben. Deswegen appelliert Beneta an die Bevölkerung, wachsam zu sein. Halte sich ein Obdachloser bei diesen Temperaturen draußen auf und sei nicht ansprechbar, gelte es, über die Telefonnummer 112 Hilfe zu holen.

Eine weitere Anlaufstelle für Bedürftige ist auch die Karlsruher Bahnhofsmission. Ein Angebot der vergangenen Jahre muss hingegen wegen der Corona-Auflagen pausieren: Der Kältebus, ein Projekt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), ist momentan nicht unterwegs. Wann die dort engagierten Ehrenamtlichen wieder Obdachlose mit Tee, warmen Decken und Kleidung versorgen können, ist nach Angaben der Initiatoren noch nicht klar.

Spenden
Wer die Arbeit mit obdachlosen Menschen unterstützen möchte: Der Verein Sozpädal freut sich neben Geldspenden auch über Fahrkarten und Lebensmittelgutscheine.
IBAN: DE34 6602 0500 0007 7034 02. Das Diakonische Werk freut sich über Geldpenden für Männerkleidung.
IBAN: DE03 6605 0101 0108 2061 37.

 

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