Presse

Spenden im Blick

10.01.2023

Die BNN berichtet in ihrer Ausgabe vom 10.01.2023 unter dem Titel „Spenden im Blick“ darüber, dass der Lions Club in Karlsruhe in der Weihnachtszeit 190 Adventstaschen für obdachlose Männer und Frauen u.a. an unseren Tagestreff für Frauen (TafF) gespendet hat.

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Kunstprojekt mit bleibenden Spuren

Christina Griebel erhält Landeslehrpreis

Foto: Isabelle Kaczmarek
Foto: Isabelle Kaczmarek

Patrizia Kaluzny – BNN 05.12.2019

Sie habe nicht danach gesucht, es habe sie gefunden, sagt Christina Griebel über das Projekt „outside“. Bei dem von ihr initiierten integrativen Seminarprojekt treffen sich Kunststudenten mit wohnsitzlosen Frauen regelmäßig zur künstlerischen Arbeit. Ein Teil der Bilder und Fotografien, die dabei bisher entstanden sind, waren bereits in einigen Ausstellungen zu sehen (die BNN berichteten mehrfach).

Jetzt wurde Christina Griebel, die seit 2015 Professorin für Bildungs­wissen­schaften und Kunst­didaktik an der Karlsruher Kunst­akademie ist, für das Projekt mit dem Landes­lehrpreis im Bereich der Kunsthochschulen ausgezeichnet. „Außergewöhnlich innovativ und gelungen zeigt die Preisträgerin, wie gesellschaftliche Teilhabe an Kunst und pädagogische Ausbildung von Lehramtsstudierenden funktionieren kann“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Mittwoch bei der Übergabe des Preises in Stuttgart. Mit ihrem Projekt „outside“ schlage Christina Griebel eine Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Hochschule und Stadt sowie aus der Mitte zu den Rändern der Gesellschaft, so Bauer. Neben der Kunstprofessorin zeichnete die Wissenschaftsministerin 19 Preisträgerinnen und Preisträger anderer Hochschularten aus.

Mehr Wertschätzung

Für Christina Griebel bedeutet der Landeslehrpreis vor allem Wertschätzung. Denn: „An Kunsthochschulen erfahren Studierende, die sich für das Lehramt entschieden haben, nicht allzu viel davon – das schlägt auf ihr Selbstbewusstsein zurück“, kritisiert die Professorin, die an der Karlsruher Kunstakademie die Bachelor- und Masterstudiengänge für das Lehramt und das künstlerisch-wissenschaftliche Verbreiterungsfach „Intermediales Gestalten“ aufgebaut hat. Auch gebe es generell im Hochschulbereich eine sich steigernde Exzellenz­schraube, egal, ob es um Kunst oder Wissenschaft gehe. „Die Kunst des Lehrens fällt immer noch durch die Raster, obwohl jedem klar sein sollte, dass wir unsere Zukunft verspielen, wenn uns die nächste Generation nicht am Herzen liegt“, mahnt sie.

Als Griebel 2017 das integrative Projekt startete, war ihr die Arbeit des Tagestreffs für Frauen (TafF) der Sozialpädagogischen Alternativen (SOZPÄDAL E.V.) bereits gut bekannt. Bei Lissi Hohnerlein, Sozialarbeiterin und Leiterin des Bereichs Frauen bei SOZPÄDAL E.V., stieß die Kunstprofessorin auch sofort auf Zustimmung. Die Frauen aus dem Tagestreff besuchten jede Woche die Akademie und arbeiteten dort gemeinsam mit den Studenten. Sie malten und sie porträtierten sich, sie fotografierten, stellten lithografische Druckplatten her und schufen Installationen. Für zwei Stunden pro Woche konnten die obdachlosen Frauen ihre raue Wirklichkeit vergessen und Dinge tun, von denen viele nicht wussten, dass sie sie überhaupt können.

Von dem Projekt profitierten auch die Studierenden: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man im Kunststudium wie in keinem anderen auf sich selbst zurückgeworfen ist. Das kann zu einem Sich-Einkreiseln in künstlerische Stillstände und Selbstbezüglichkeiten führen“, räumt Griebel ein. „Der Blick über den Tellerrand, die Öffnung für den Anderen und das ganz Andere, das sie oder er tut, empfindet und denkt, das ist das beste Gegenmittel“, findet sie.

Projekt läuft weiter

Die kreative Zusammenarbeit mit den wohnsitzlosen Frauen war keine einmalige Sache, die nach einem Semester beendet wurde. Das Projekt hat das Format einer heterogenen Künstlergruppe angenommen. Einige Akteure sind konstant dabei, andere wechseln. „Für die Frauen im TafF ist es zu einem festen Bezugspunkt geworden“, sagt Griebel. „Von Anfang an haben wir so gearbeitet, dass das Projekt sich verwandelt, damit es nicht festfährt.“ Es wurden neue künstlerische Arbeitsformen entdeckt, neue Tutoren, Lehrbeauftragte und ehrenamtlich Engagierte angelernt. Die Orte wechselten. Das Projekt wanderte aus dem TafF an die Kunstakademie und von dort in die Kunsthalle. Aktuell wurden sogar eigene Räume in einer ehemaligen Bäckerei am Werderplatz bezogen – an der Finanzierung wird noch gearbeitet, berichtet die 1973 in Ulm geborene Kunstprofessorin.

Auch für die Studenten geht es weiter: „Durch solche Projekte lernen sie nachhaltig, inklusives Arbeiten und Denken in die eigene Praxis zu integrieren und die eigene Position in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen“, sagt Griebel. „Aus dem Wunsch, das Auf-sich-selbst-geworfen-Sein im Atelier zeitweise gegen die Auseinandersetzung mit Situationen der Gemeinschaft einzutauschen, entstehen eigene und kollektive Möglichkeiten zur Gestaltung und Veränderung von Gesellschaft – nicht durch Kunst, sondern von Kunst aus.“

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Hilfe für Kinder in der Klemme

Kirsten Etzold – BNN 24.10.2019

Erwachsen werden heißt auch, herauszufinden, worauf es ankommt. Etwa, dass es wichtig ist, pünktlich Miete zu zahlen. Die meisten jungen Menschen wachsen mit den Eltern in die Welt hinein. Bei Krankheit, Trennung und anderen familiären Problemen kann das anders sein. Stecken Kinder und Jugendliche in der Klemme, soll Kinder- und Jugendhilfe sie und ihre Familien unterstützen. Jetzt soll das System verbessert werden. (Siehe auch Hintergrund.)

In Karlsruhe warten die Akteure ungeduldig auf die Reform, obwohl manches bundesweit angestrebte Ziel vor Ort schon Realität ist. Neue Bestimmungen sichern zum Beispiel die Finanzierung. Worauf es besonders ankommt, diskutierten am Mittwoch beim Verein Sozialpädagogische Alternativen (Sozpädal) am Werderplatz Pädagogen, Sozialarbeiter, Vertreter von Behindertenverbänden und andere Fachleute aus Karlsruhe und der Region.

Abends und nachts daheim, tagsüber in der Schule und in Einrichtungen der Jugendhilfe sind in Karlsruhe etwas weniger junge Menschen als Gleichaltrige, die in einem Heim oder einer betreuten Wohngemeinschaft leben.

Als Durchbruch und „Riesenchance“ sähen es die Sozialexperten, wenn die Jugendhilfe auch für junge Leute mit Behinderungen zuständig würde. Ist ein Kind behindert, kann das Eltern auch bei der Erziehung überfordern. Noch müssen sie sich durch viele Anträge kämpfen. Das ist auch in Karlsruhe so. Immerhin sind ihre Angelegenheiten im Rathaus West in der Sozial- und Jugendbehörde gebündelt. Viele andere Städte trennen das organisatorisch.

Eine weitere Hürde, die in der Kinder- und Jugendhilfe fallen soll, ist der 18. Geburtstag. Er beendet oft Unterstützungsmaßnahmen. „In Deutschland lösen sich junge Erwachsene meist mit 24 oder 25 Jahren von Zuhause. Ausgerechnet nach extrem schwierigen Jugendjahren soll dann aber jemand mit 18 Jahren voll erwachsen sein“, kritisiert Sozpädal-Geschäftsführer Jörg Mauter. Die Situation in Karlsruhe sei da günstiger, sagen Mauter und die Chefin der Sozial- und Jugendbehörde, Karina Langeneckert. Junge Erwachsene würden in der Phase nicht in andere Hilfesysteme gedrängt.

Man spüre auch im Gemeinderat das jahrzehntelange Ringen um den Ausbau sozialer Hilfen, so Langeneckert: „Da will keiner von dem erreichten Niveau herunter.“ Der Verein Sozpädal war vor 40 Jahren bundesweit ein Vorreiter in individueller Hilfe: mit betreutem, eigenständigem Wohnen für Mädchen.

HINTERGRUND

Kinder- und Jugendhilfe hat viele Formen. Sie umfasst Kindertagesstätten und Freizeitangebote, aber auch Erziehungsberatung, ambulante und stationäre Hilfen. Die Regierungskoalition will in der laufenden Legislaturperiode, die planmäßig bis 2021 läuft, die Kinder- und Jugendhilfe reformieren.

Vorrangige Ziele sind:

  • Kinder besser zu schützen
  • Übergänge zwischen Leistungssystemen besser zu gestalten
  • Kinder und Jugendliche bei Bedarf besser unterzubringen
  • Pflegeeltern besser zu qualifizieren und zu unterstützen
  • Familien, deren Kinder nicht zuhause leben, stärker zu fördern.

Unstrittig ist unter den Beteiligten, dass die Reform allen Heranwachsenden, ob mit oder ohne Behinderung, Anspruch auf alle Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe bringen soll. Bisher ist das nicht der Fall. Eltern behinderter Kinder müssen daher zum Beispiel für manches Eigenbeiträge zahlen.

Angestrebt ist unter anderem auch, dass sich Betroffene künftig auf einen Ansprechpartner stützen können. Bisher haben sie es mit vielen verschiedenen Behörden und Anträgen zu tun.

Den Beteiligungsprozess zur Modernisierung der Kinder- und Jugendhilfe dokumentiert das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend unter www.mitreden-mitgestalten.de im Internet. ke

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Debatte um die Jugendhilfe

Was bedeutet der neue Grundgedanke „Vom Kind aus denken“ in der Jugendhilfe? Welche Auswirkungen auf die Praxis in Karlsruhe erwarten Fachleute? Darüber diskutieren am Mittwoch, 23. Oktober, von 14 bis 16 Uhr bei Sozpädal E.V. in der Werderstraße 40 bis 44 unter anderem die Direktorin der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe, Karina Langeneckert, und Susanne Pastor vom Karlsruher Verein Sozialpädagogische Alternativen (Sozpädal E.V.).

Der aktuelle bundesweite Beteiligungsprozess „Mitreden – mitgestalten“ zur Modernisierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes für die Fachöffentlichkeit und Betroffene ist Anlass für die Fachveranstaltung, die Sozpädal im 40. Jahr des Vereinsbestehens in seiner neuen Zweitadresse in der Südstadt ausrichtet. Zur Einführung spricht Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz über die Reform des achten Sozialgesetzbuches und aktuelle Forderungen an diesen Reformprozess.

Anmeldung
Interessierte müssen sich bis Freitag, 18. Oktober, anmelden per E-Mail an wise@sozpaedal.de oder unter Telefon (07 21) 35 48 02 01.

BNN 15.10.2019

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Der „Systementkoppelung“ entgegenwirken – PARITÄTinform zum Projekt „Schnittstelle“

30.06.2019

Projekt „Schnittstelle“ von SOZPÄDAL E.V. mit einem rechtskreisübergreifenden Ansatz:

Das Projekt behebt die Notlage der Wohnungslosigkeit durch das Angebot einer Wohnung und hält mit dem § 41 SGB VIII die erzieherischen Hilfen bereit, um auf die weitere Entwicklung begleitend und beratend einzugehen. – Die Publikation PARITÄTinform berichtet in einem Artikel vom Juni 2019 darüber.

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Vermieter machen gute Erfahrungen

Sozpädal gehört zu den größten sozialen Wohnraumagenturen in Deutschland

BNN 29.06.2019 – Martina Erhard

Die Zahl der Menschen, die keine Wohnung haben, ist bundesweit stark gestiegen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass in Deutschland rund 860 000 Menschen in Notunterkünften, Obdachlosenheimen, prekären ungesicherten Mietverhältnissen, 52 000 von ihnen sogar auf der Straße leben. Das ist eine Zunahme von etwa 150 Prozent seit 2014. In einer Tagung mit dem Titel „Soziale Wohnraumhilfen“ tauschten am Freitag im Stephanienbad rund 170 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Erfahrungen mit verschiedenen Projekten sozialer Wohnraumhilfe aus.

„Die stetig sinkende Zahl bezahlbarer Wohnungen sorgt dafür, dass Menschen mit wenig Geld stark benachteiligt werden und kaum noch die Chance haben, eine Wohnung zu finden“, stellt Jörg Mauter, Vorstandsmitglied des Karlsruher Vereins Sozialpädagogische Alternativen (SOZPÄDAL E.V.), fest. Der Verein, vor 40 Jahren als Zusammenschluss von Sozialpädagogen gegründet, veranstaltete die Tagung in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe.

„Wohnen ist ein Grundrecht“, unterstreicht Winfried Uhrig, ebenfalls Vorstandsmitglied bei SOZPÄDAL E.V.. Aktuell hat der Verein etwa 350 Menschen in gekauften oder angemieteten Wohnungen untergebracht. Mauter zufolge hat sich in Karlsruhe die Zahl der Menschen in obdachlosenrechtlicher Unterbringung in den letzten Jahren von 300 auf 600 verdoppelt. „Wir fungieren als Hauptmieter, so dass für den Eigentümer die Mietzahlung gesichert ist“, erklärt Uhrig. Dies funktioniere so gut, dass die meisten Vermieter inzwischen seit vielen Jahren mit dem Verein zusammenarbeiteten. „Sie machen gute Erfahrungen mit uns und unserer Klientel“, meint Uhrig. 350 Mieter würden unterstützt, pro Jahr gebe es nur in ein bis zwei Fällen Probleme mit dem Vermieter oder Nachbarn.

In Deutschland gibt es nur sieben so genannte soziale Wohnraumagenturen, die wie SOZPÄDAL E.V. mehr als 50 Wohnungen im Bestand haben, in Süddeutschland außer in Karlsruhe nur in Stuttgart und Darmstadt. Das berichtet Volker Busch-Geertsema, Sozialwissenschaftler von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung in Bremen. Er sagte bei der Tagung: „Eigentlich sollte es solche Einrichtungen in jeder deutschen Stadt geben.“ Allein in Flandern würden rund 8 000 Wohneinheiten so verwaltet.

Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, errechnet, dass pro Jahr 120 000 neue Sozialwohnungen gebaut werden müssten, um die Situation in Deutschland zu entschärfen. „Im vergangenen Jahr waren es aber gerade einmal rund 25 000“, meint sie. In Karlsruhe wären laut Mauter pro Jahr 1 000 neue Sozialwohnungen nötig: „Investoren bauen zwar, aber die Wohnungen sind viel zu teuer.“ Rosenke regt an, bei allen geförderten Wohnprojekten einen festen Prozentsatz für Wohnungslose vorzusehen. Sonst profitierten sie auch vom sozialen Wohnungsbau nicht.


Pressegespräch zum Auftakt der Fachtagung zum Thema Wohnungslosigkeit (Audiodatei mit freundlicher Genehmigung des SWR):

Weitere Pressereaktionen: dpa Meldung im Böblinger Boten, in der Schwäbischen, im Südwesten, bei t-online und in der Welt

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Der PARITÄTISCHE und Verein der Wohnungslosenhilfe „SOZPÄDAL“ fordern konkrete Maßnahmen für Familien mit Kindern

Pressererklärung Stuttgart/Karlsruhe 16.10.2018

Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg nimmt den „Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut“ am 17.10.2018 zum Anlass, um auf die Situation von Kindern und minderjährigen Jugendlichen in Familien aufmerksam zu machen, die aufgrund von Wohnungslosigkeit in ordnungsrechtlicher Unterbringung leben müssen. Der Verband fordert Verbesserungen für diese Familien und insbesondere deren Kinder. Rund 3.000 Kinder und Jugendliche lebten 2015 in ordnungsrechtlicher Unterbringung. Das ergab die GISS-Studie im Auftrag des baden-württembergischen Sozialministeriums. Der Verband fordert die Einführung einer landesweiten Wohnungsnotfallstatistik, in der auch betroffene Kinder mit erfasst werden. Zur Beendigung der Wohnungslosigkeit von Kindern fordert der PARITÄTISCHE konkrete Maßnahmen in der Wohnungspolitik sowie spezielle Betreuungsangebote für die betroffenen Familien.

„Jedes Kind braucht ein Zuhause, in dem es sich wohlfühlt und frei entwickeln und entfalten kann. Das Recht auf eine Wohnung ist Kinderrecht“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. Nur so kann auch verhindert werden, dass sich Armut von Generation zu Generation überträgt und diese Kinder automatisch schlechtere Lebensbedingungen und weniger Bildungschancen haben. Deshalb ist eine der vordringlichsten wohnungspolitischen Aufgaben, Familien mit Kindern in ordnungsrechtlicher Unterbringung Wohnungen zur Verfügung zu stellen und ein flexibles Hilfesystem, das sie darin unterstützt dem Armutskreislauf zu entgehen“, so Wolfgramm weiter. Zwanzig Prozent der Kinder allein in Baden-Württemberg leben unterhalb der Armutsgrenze, „diese Zahl ist beschämend und skandalös“, sagt Wolfgramm.

„Die Familien sind meist in einem Raum untergebracht. Kinder – vom Säugling, Schulkind bis hin zum Jugendlichen müssen sich einen Raum teilen und manchmal auch das Bett. Es gibt keine Spiel-und Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder, keinen Tisch und keine Ruhe, um die Schulaufgaben zu erledigen. Nicht selten müssen sie auf der Bettkante des Hotelzimmers gemacht werden“, erklärt Jörg Mauter, Geschäftsführer von SOZPÄDAL E.V.in Karlsruhe. „Meist gibt es in den Unterkünften lediglich Gemeinschaftsküchen, selten eine eigene Küchenzeile. Freunde zum Spielen einzuladen oder Geburtstag zu feiern, ist in diesem Umfeld so nicht möglich“, so Mauter weiter.

Der PARITÄTISCHE und SOZPÄDAL E.V.sehen die „Soziale Wohnungspolitik“ als eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen, die Bund, Länder und Kommunen in ihrer jeweiligen Verantwortung und Steuerung umfassend wahrnehmen müssen. Für Land und Kommunen in Baden-Württemberg bedeute das, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und neu zu schaffen. Gemeinsames Ziel aller beteiligten Akteure in Gemeinden und Städten müsse sein, den Wohnungsverlust von Familien durch umfassende präventive Maßnahmen zu vermeiden.

Um den Zugang zur Wohnung zu ermöglichen, sollten alle Organisations- und Kooperationsmodelle zur Unterstützung dieser Familien zum Tragen kommen. Zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit sei die flächendeckende Einrichtung von Fachstellen in den Kommunen dringend erforderlich. Freie Träger der Wohlfahrtspflege, die Wohnraum anmieten und an wohnungslose Menschen und Familien weiter vermieten oder durch sogenannte „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ tätig werden, müssten in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Hintergrundinformation
Die GISS-Studie „Wohnungslosigkeit in Baden-Württemberg – Untersuchung zu Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen“ im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg (2015) verweist darauf, dass in Baden-Württemberg ca. 22.800 wohnungslose Personen leben, die von Städten und Gemeinden ordnungsrechtlich untergebracht sind oder bei den öffentlichen und freien Trägern Hilfe nach den Strafgesetzbuch §§ 67 ff SGB XII in Anspruch nahmen. 3.000 Kinder und Jugendlichen müssen in ordnungsrechtlicher Unterbringung leben.

Die dramatischen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und der anhaltende Rückgang von Sozialwohnungen sind für wohnungslose Familien zu einem nahezu unlösbaren Problem geworden. Gerade Baden Württemberg weist im Vergleich zu anderen Bundesländern einen deutlich unterdurchschnittlichen Bestand an sozialen Mietwohnungen auf. Dies wird sich laut Mieterbund und anderen Fachleuten auch in den nächsten Jahren nicht ändern. Je länger die Familien in der Wohnungslosigkeit d.h. in Notunterkünften, Heimen oder Hotels untergebracht sind, desto schwieriger gestalten sich auch die Entwicklungsmöglichkeiten für die in den Familien lebenden Kindern.

Presseerklärung vom 16.10.2018

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Wohnraum ist keine Ware

SOZPÄDAL E.V. unterstützt Obdachlose bei der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe

BNN 24.10.2018 – Nina Setzler

Albert Müller (Name geändert) lebte fast ein Jahr lang in einem Männerwohnheim in Karlsruhe: „Das war eine schlimme Erfahrung, diese Unterkünfte für Obdachlose sind soziale Brennpunkte. Als ich eines Abends in mein Zimmer lief, schubste mich ein angetrunkener Mitbewohner ohne ersichtlichen Grund die Treppe runter – dabei brach ich mir den Oberschenkel.“

Aggressivität und Gewalt sind aufgrund der Enge und Probleme vieler Bewohner an der Tagesordnung, weiß auch Jörg Mauter vom Wohnungslosen-Hilfeverein Sozialpädagogische Alternativen (SOZPÄDAL E.V.): „Je schneller sie aus den Heimen rauskommen, desto besser.“ Seine Organisation vermittelt Wohnraum an obdachlose Menschen, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance haben. „Sie sind nicht solvent und stehen in harter Konkurrenz mit anderen Gruppen, etwa Studenten, die sich ebenfalls um kleine Wohnungen bewerben“, so der SOZPÄDAL-Geschäftsführer. „Wenn vor einer Wohnung 50 Menschen stehen, wird der wohnungslose Harz IV-Empfänger keine Chance haben. Zudem sind die Mieten meist 100 bis 150 Euro zu teuer für ihn.“

SOZPÄDAL E.V. hilft, indem der Verein selbst Wohnungen anmietet und sie dann an wohnungslose Menschen weitervermietet. Dadurch sind die Mietzahlungen gesichert und der Vermieter hat einen Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt. Sozialarbeiter besuchen die Klienten regelmäßig, um ihre Lebenslage zu stabilisieren. „Wir begleiten zum Amt, bei Schriftverkehr und Anträgen. In der Regel leben die Klienten von Transferleistungen oder haben ein geringes Einkommen. Auch bei Arztbesuchen, Suchtproblemen oder Messie-Tendenzen sind wir eingebunden“, sagt Sozpädal-Bereichsleiterin Sarah Bruder. Manche Klienten hätten langfristigen Unterstützungsbedarf, grundsätzlich sei das Ziel aber, sie wieder in ein selbstständiges Mietverhältnis zu bringen.

Allerdings wird es auch für den Träger zunehmend schwieriger, geeigneten Wohnraum zu finden. „Der Wohnungsmarkt ist zu einem Finanzplatz geworden. Wenn es nur noch um Renditen und Kapitalerträge geht, sind Menschen mit dem Verlust von Wohnungen bedroht. Aber Wohnraum ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht!“, findet Sozialarbeiterin Bruder. Die Städte hätten Fehler gemacht und in Jahren, als sie keinen Bedarf gesehen haben, Bestand verkauft. Das räche sich nun.

Sarah Bruder und ihre Kollegen unterstützen im Auftrag der Stadt derzeit 350 Menschen. Albert Müller ist einer von ihnen. Durch einschneidende Lebensereignisse wurde er schon zweimal obdachlos. „Zuletzt habe ich meine Wohnung aufgegeben, als ich zu meiner damaligen Lebenspartnerin gezogen bin. Die Beziehung ging sechs Jahre lang gut, dann bin ich wegen zu vieler Streitereien ausgezogen.“ Danach kam er bei Freunden unter, scheiterte an zahlreichen Versuchen, wieder etwas eigenes zu finden. „Es ist eine Katastrophe, Sozialwohnungen gibt es kaum, noch dazu hatte ich Schulden und kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in meinem Job als Krankenpfleger arbeiten.“

Nach dem schmerzhaften Erlebnis im Wohnheim kam der 63-jährige Albert Müller vor fünf Jahren zum Verein Sozpädal. „Mein Betreuer hat mir Möglichkeiten aufgezeigt, die Schulden abzubezahlen, heute bin ich sie los. Ich lebe in einer Wohnung in der Oststadt und teile mir Küche und Bad mit einem Mitbewohner. Wir haben uns zusammengerauft – aber natürlich würde ich lieber allein wohnen.“ Deshalb ist Müller Mitglied im Mieter- und Bauverein. „Ich musste 600 Euro einzahlen, um aufgenommen zu werden. Einmal im Monat werden Wohnungen verlost, nach zwei Jahren kommt man in die Trommel. Die Lose vermehren sich mit der Zeit, aber es kann lange dauern, bis man Glück hat.“

Dieses Verfahren sei zwar fair, sagt Jörg Mauter, löse aber nicht den großen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Wir brauchen einen offenen Wohnungsmarkt, zu dem auch Obdachlose Zugang haben. Das geht nur über Regulation, es muss viel mehr sozial gebaut werden. Es reicht nicht aus, den Investoren Bau-Anreize zu schaffen, denn sie werden immer profitorientiert handeln.“

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