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Vier Mediziner behandeln Wohnungslose ehrenamtlich
Einsatz der Rotary Clubs brachte Bewegung in die ärztliche Versorgung / Nachwuchs organisierte Begegnungstag

eki. Groß war der Andrang in der Tagesstätte „Die Tür“. Und die Bedürftigen bekamen an diesem Samstag auch einiges geboten. Im Aufenthaltsraum gab es ein warmes Mittagessen, im hinteren Bereich ein gut bestücktes Kuchenbüfett, dazu noch jede Menge gut erhaltener gebrauchter Kleider, eine ärztliche Sprechstunde sowie einen Friseur.

Normalerweise kämen an Spitzentagen rund 90 Bedürftige und Obdachlose zum Tagestreff des Diakonischen Werkes in der Kriegsstraße, weiß Uwe Enderle, Leiter der Einrichtung. „Doch heute sind es deutlich mehr“, so Enderle. Grund dafür war der „Tag der Begegnung“ des Karlsruher Rotaract Clubs. Groß Werbung gemacht wurde für diesen Tag jedoch nicht. „Aber so etwas spricht sich in der Szene sehr schnell herum“, weiß Enderle. Vor gut einem Jahr hatte die Nachwuchsorganisation des Rotary Clubs schon einmal einen solchen Aktionstag mit Karlsruher Wohnungslosen initiiert. Der damalige Anlass war die offizielle Inbetriebnahme von neu eingerichteten ärztlichen Behandlungszimmern in „Die Tür“, im Tagestreff für Frauen „Taff“ des Vereins SOZPÄDAL sowie in der Sozialpension „Anker“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Möglich gemacht wurden die dringend benötigten Instrumente durch das soziale Engagement der fünf Karlsruher Rotary Clubs und des Rotaract Clubs. Am 22. September 2011 initiierten diese ein Benefizkonzert mit dem Peter Lehel Quartett und dem Jungen Kammerchor Baden-Württemberg und erzielten dabei ein Spendenvolumen von 20 000 Euro.

„Dieses Mal haben wir zwar keinen Scheck dabei, aber ein Begegnungstag ist auch ohne eine Großspende eine gute Sache“, sagte Joachim Ladra vom Rotaract Club. Durch diesen Tag könnten die Clubmitglieder auch die Nachhaltigkeit ihres sozialen Engagements unter Beweis stellen.
Mit dem modernisierten Behandlungszimmer wurde nämlich ein Stein ins Rollen gebracht. „Die neuen Instrumente waren sicherlich wichtig. Noch wichtiger war allerdings, dass die Missstände bei der medizinischen Versorgung von Wohnungslosen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurden“, so Enderle. Der Aktionstag und die Berichterstattung dazu zeigte nämlich Wirkung und es meldeten sich mehrere Ärzte, um dort ihre Sprechstunden abzuhalten. Inzwischen behandeln vier Mediziner ehrenamtlich die kranken Wohnungslosen in „Die Tür.“ Sprechstunde ist immer mittwochs, an rund 35 Mittwochen im Jahr ist das Behandlungszimmer laut Enderle inzwischen besetzt.

Die Kontinuität sei überaus wichtig. „Wenn die Leute zum Arzt wollen, muss auch jemand da sein. Sonst kommen sie nicht wieder“, kennt Enderle seine Klientel. Vor allem in den Wintermonaten, wenn viele der Wohnungslosen an Atemwegserkrankungen leiden würden, sei die medizinische Versorgung besonders wichtig. Im Sommer seien die Sprechstunden dagegen oft spärlicher besucht. Trotzdem sei es wichtig, dass sich auch weiterhin Ärzte ehrenamtlich für Wohnungslose engagieren würden, betont Uwe Enderle, Leiter des Tagestreffs.

Was er sich noch wünscht: Ein Netzwerk an Fachärzten, an das erkrankte Wohnungslose bei Bedarf von den Sprechstundenärzten zur kostenlosen Behandlung weiter überwiesen werden könnten.

BNN 18.03.2013

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