© Peter Empl

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Ist mit 18 alles vorbei?
Stadt will Hilfe für junge Erwachsene verbessern

Den Großteil seiner Kindheit hat der jetzt 21-Jährige in Heimen verbracht, das letzte setzte ihn als Jugendlichen vor die Tür. Mit 19 Jahren suchte der junge Mann Hilfe beim Karlsruher Verein Sozialpädagogische Alternativen (Sozpädal) – wie andere Gleichaltrige aus schwierigen Verhältnissen auch. Inzwischen war er mehrfach gestrandet, ohne familiäre Unterstützung, Dach über dem Kopf oder Perspektive. Heute ist der angehende Maler Zweitbester in seiner Berufsschulklasse, seine Lehrzeit wird wegen besonders guter Leistung verkürzt.

„Das ist eine richtige Bilderbuchentwicklung“, sagt Peter Empl von Sozpädal zufrieden. Der junge Mann sei ein Paradebeispiel dafür, dass Hilfe für Kinder aus problematischen Verhältnissen nicht mit dem 18. Geburtstag enden dürfe: „Diese Menschen müssen noch Chancen bekommen, die ihnen bisher gefehlt haben.“
Doch wer bezahlt, wenn das Kind zum jungen Erwachsenen wird? Jugendamt, Jobcenter, Sozialamt und andere Stellen schöben sich oft den Ball zu, berichtet Empl – mit dem Effekt, dass gerade junge Betroffene entmutigt aufgäben: „Wer viermal mit seinem Antrag wieder weggeschickt worden ist, glaubt nicht mehr an eine Bewilligung.“

Dabei ist persönliche Motivation in der Altersgruppe von 17 bis 21 Jahren nach Beobachtung von Sozialpädagogen wie Empl der Schlüssel zu einem selbstständigen Leben. Wie oft dies scheitert, zeigen unter anderem die Obdachlosenzahlen. Unter 74 jungen Hilfesuchenden bei Sozpädal im vergangenen Jahr gehörten allein 53 dieser jüngsten Altersgruppe an, so Empl. Und es seien „huschige“, schwer zu erreichende Menschen: „Die brauchen sofort Unterschlupf oder Geld.“ Ein konkretes Angebot müsse eine Beratungsstelle in dieser Situation schon bieten: „Sonst sind sie wieder bei irgendeinem Kumpel oder auf der Straße.“ Auf diese Weise aber starten die kaum Volljährigen geradewegs in ein prekäres Leben: keine Ausbildung, kein eigener Verdienst, das führt in Abhängigkeit und Armut.

In Karlsruhe soll diese Abwärtsspirale künftig wirksamer unterbrochen werden. Damit junge Städter, die aus Jugendhilfemaßnahmen herauswachsen, seltener durchs soziale Netz fallen, verknüpfen die zuständigen Stellen in Stadtverwaltung und Arbeitsagentur seit vergangenem Jahr ihre Antragsbearbeitung enger – mit Erfolg, wie der Leiter des Sozialen Dienstes Karlsruhe, Reinhard Niederbühl, aus 50 Prozent Zuwachs bei den aktuellen Fallzahlen im Vergleich zu 2006 ableitet. Zudem hätten sich die Beteiligten seit vergangenem Jahr zur Regel gemacht, jeden abgelehnten Antrag erneut zu betrachten, so Niederbühl. Das Ergebnis: Für ausnahmslos jeden dieser Fälle sei eine Lösung bewilligt worden.

Debatte

„Verloren im Niemandsland zwischen Jobcenter, Jugendhilfe und Sozialpolitik“ – unter diesem Titel steht am Donnerstag um 14.30 Uhr im Stephanienbad, Breite Straße 49a, eine Podiumsdiskussion. Es debattieren Reinhard Niederbühl, Leiter des Sozialen Dienstes Karlsruhe, Sozpädal-Vorsitzender Peter Empl, der emeritierte Professor für Verwaltungs- und Sozialrecht Eckart Riehle sowie Johannes Lippert, Landesverwaltungsfachmann für soziale Sicherung. Kirsten Etzold

BNN 08.10.2013

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