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„Die Tücke liegt im Einzelfall“
Experten debattieren bei Sozpädal über bessere Hilfen für bedürftige junge Städter

eki. Dem ehemaligen Verwaltungsdirektor Johannes Lippert sind die Probleme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in schwierigen Lebenssituationen ebenso gut bekannt wie die dazu gehörige Rechtslage. „Die Tücke liegt im Einzelfall“, sagt der Verwaltungsexperte aus Nordrhein-Westfalen. Was bedeutet: Trotz klarer rechtlicher Vorgaben gebe es für eine bessere Betreuung der Jugendlichen nur wenige praktikable Lösungen. „Hier müssen sich die zuständigen Organisationen besser vernetzen“, forderte Lippert gestern bei einer Fachveranstaltung des Karlsruher Vereins Sozialpädagogische Alternativen (Sozpädal) zum Thema „Verloren im Niemandsland zwischen Jobcenter, Jugendhilfe und Sozialpolitik“ im Stephanienbad.

Für Lippert steckt ein Kern des Problems bei den meist vielfältigen Problemen der Hilfesuchenden. „Da kommen junge Menschen mit einem ganzen Korb von Problemen wie Drogensucht oder zerrütteten Familienverhältnisse zu ihrem Sachbearbeiter“, weiß Lippert. „Und es ist oft weder den Betroffenen noch den professionellen Helfern klar, wer jeweils wofür zuständig ist.“ Auch die Ein­schätzung der Erfolgsaussichten bestimmter Maßnahmen sei bei solchen Biografien nicht einfach. Schließlich könne die oft verkorkste Vergangenheit nicht als Maßstab für die erhoffte positive Persönlichkeitsentwicklung herangezogen werden.

Zusätzlich, moniert der Fachmann, verhinderten behördliche Vorgaben und langwierige Verwaltungsprozesse oft schnelle unbürokratische Hilfe. Lippert schlägt daher ein Bündel konkreter Verbesserungen vor: Für jeden Betroffenen solle immer derselbe Sachbearbeiter zuständig sein. Nach spätestens fünf Tagen müsse eine Entscheidung über die beantragten Leistungen gefällt werden. Und Kooperationsvereinbarungen zwischen den verschiedenen Leistungsträgern sollten bei Streit für Klarheit sorgen.

Häufigster Streitpunkt zwischen den Trägern der Sozial- und der Jugendhilfe ist laut Lippert die Frage, ob ein Jugendlicher die Ziele einer Hilfemaßnahme erreichen kann. Ursache dafür sei die Rechtslage: Für eine Unterstützung durch die Jugendhilfe fordern die Bestimmungen von den Betroffenen, eine gewisse Motivation mitzubringen. Allerdings solle diese Motivation nicht zu hoch angesetzt werden, appelliert Lippert an die Verantwortlichen. „Eigentlich ist der Nachweis einer ausreichenden Motivation in der Regel bereits durch die Antragstellung geführt“, findet er. Nur wenn jede Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Jugendamt fehle, ist laut Lippert dann doch ein reduziertes Unterstützungsangebot durch Sozialhilfe angebracht.

„Wer über Jugendhilferecht redet, muss auch über die Praxis der Jugendhilfe reden“, forderte vor den versammelten Experten aus weitem Umkreis der emeritierte Professor für Verwaltungs- und Sozialrecht, Eckart Riehle. Seine These: Jugendhilfe habe eine enorme ethische Verantwortung. „Sie muss sich einmischen“, sagt der promovierte Rechtsanwalt. „Das Kinder- und Jugendhilfe­recht hat immer den ganzen Menschen im Blick. Es versucht, sämtliche Facetten einer Person zu erreichen“, argumentiert er. Die Gesetze seien vielleicht klar, die Worte aber oft nicht. Selbst Experten seien sich bei der Auslegung der einzelnen Paragrafen oft nicht einig. Riehle fordert daher auch: „Die Kommu­ni­kation muss verbessert werden.“

BNN 11.10.2013

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