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„Wir sind zur Armutsanlaufstelle geworden“
Seit zwölf Jahren hilft TafF Frauen beim Neuanfang / Entwicklung der Innenstadt-West mitgeprägt

Von unserer Mitarbeiterin Pia Wiegmann

Gemütlich sieht es aus in den Räumen des Tagestreffs für Frauen (TafF) in der Belfortstraße. Die Wände sind in freundlichen Farben gestrichen, am Eingang lädt ein Sofa mit bunter Überziehdecke zum Hinsetzen ein. Es ist relativ ruhig im Haus, nur aus dem Aufenthaltsraum dringt sanftes Stimmengemurmel nach draußen. An einem Tisch sitzen dort einige Frauen gemütlich beisammen, trinken Kaffee und plaudern. Seit zwölf Jahren bietet die Einrichtung des Vereins „Sozialpädagogische Alternativen“ (Sozpädal) Frauen in Wohnungsnot und mit besonderen sozialen Schwierigkeiten einen Platz, um sich mit anderen Frauen auszutauschen, etwas zu essen, zu duschen oder einfach nur einen Kaffee zu trinken und für sich zu sein. In einer Kammer im Untergeschoss können sich die Besucherinnen bei Bedarf mit Kleidern versorgen.

„Obdachlose bekommen die Sachen von uns umsonst, wer Hartz IV bezieht, zahlt einen kleinen Unkostenbeitrag“, erklärt die Leiterin des TafF, Lissi Hohnerlein. Ebenfalls im Keller befindet sich ein Raum mit Schließfächern. Dort können obdachlose Frauen ihre Habseligkeiten verstauen. „Natürlich bieten wir auch Beratungen für die Frauen an“, sagt Hohnerlein. Diese in Anspruch zu nehmen sei aber keine Verpflichtung. „Die Frauen sind hier anonym, können tun was ihnen gerade guttut. Wenn sie uns kennengelernt und Vertrauen gefasst haben, kommen sie oftmals ganz von alleine zu uns.“ Einmal in der Woche können die Besucherinnen an Schulungen teilnehmen, zudem gibt es die Möglichkeit zu arbeiten und sich zu qualifizieren.

In den vergangenen Jahren habe der Zustrom zum TafF deutlich zugenommen, berichtet Hohnerlein. „Es kommen längst nicht mehr nur obdachlose Frauen zu uns – inzwischen sind wir auch zur Armutsanlaufstelle geworden.“ Immer häufiger kämen etwa Seniorinnen ins TafF. „Altersarmut ist ein großes Thema – auch hier in Karlsruhe“, weiß Hohnerlein. „Das bekommen wir zu spüren“.

Im Schnitt gehen täglich etwa 35 Frauen im TafF ein und aus, an Tagen mit Essensangeboten sogar noch mehr. „Oft bringen die Frauen auch ihre Kinder mit“, berichtet Hohnerlein. Gerade die Kombination aus Arbeitsmöglichkeit und Gemeinschaft komme bei vielen Frauen gut an. „Mich begeistert, wie man hier integriert wird“, erzählt eine Besucherin. Die 49-Jährige verlor innerhalb weniger Wochen ihren Partner und einen Freund und fiel in ein tiefes Loch. „Wir helfen uns hier alle gegenseitig“, berichtet sie. „Ohne das TafF hätte ich das alles nicht gepackt“. Dem stimmt auch ihre Kollegin zu. Die 34-jährige vierfache Mutter arbeitet jede Woche 30 Stunden im TafF. „Das tut mir sehr gut“, sagt sie. „Die Sozialarbeiterinnen sind alle unglaublich nett. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Auch an der Entwicklung der Innenstadt-West war und ist die Einrichtung maßgeblich beteiligt. So stellte das TafF von Anfang an Räume für die Netzwerktreffen im Zuge der „Sozialen Stadt“ Karlsruhe zur Verfügung. „In diesem Zusammenhang haben wir auch zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht und wirkten aktiv im Gremium mit“, sagt Hohnerlein. „Aufgrund unserer Erfahrung hatten wir ja einen Überblick darüber, was im Stadtteil gebraucht wurde.“

So hätten sich die TafF-Mitarbeiter unter anderem dafür eingesetzt, den Pausenhof der Leopoldschule während der Ferien und außerhalb der Schulzeiten für die Allgemeinheit zu öffnen. „Im Gegenzug reinigen wir den Schulhof regelmäßig“, sagt Hohnerlein.

BNN 09.11.2013

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